Ein schönes Gesäss und der grosse Blumenstrauss
Meterhohe Rosen, knallblaue Nelken mit dem mystischen Namen «Moonlite» oder Blumen, welch plötzlich gegen bestimmte Viren resistent sind: Weltweit arbeiten zahlreiche Laboratorien daran, das Erbgut von Pflanzen an einem vorbestimmten Ort zu verändern, um neuartige Kreationen zu erschaffen. Bis vor etwa vierzig Jahren waren diese Eingriffe in die Natur ausschliesslich Kunstschaffenden vorbehalten. Ein schönes Beispiel für menschlich veränderte Blumen ist das grossformatige Stilleben «Grosser Blumenstrauss» (1940) von Martin Lauterburg.
Das in Oel auf Leinwand gemalte Bild «Grosser Blumenstrauss» von Martin Lauterburg vereinigt Feuerlilien, Begonien, Fingerhut, Gladiolen, Rittersporn und Margeriten. Der Kunsthistoriker Ulrich Christoffel (1891–1975) widmete dem Gemälde in seiner Lauterburg-Monografie einen ausführlichen Aufsatz und schwärmte: «Lauterburg erschafft [im Gemälde «Grosser Blumenstrauss»] einen Blumenkosmos, der über alle Begrenzungen hinauszublühen, zu drängen scheint. Der Künstler [malt] in den stillen Geschöpfen Blumen eine […] Unendlichkeit an Farbe, Weite, Tiefe, Gestalt und Leben. Diese üppige Entfaltung der Blumen wird aber bei aller Natursinnlichkeit der Farben und des Blühens zur künstlerischen Form vergeistigt, zu jener Identität von Sein und Schein entwirklicht, wie nur die Malerei sie erfassen und erkennbar darstellen kann». Ulrich Christoffel hat den Blumenstrauss 1963 beschrieben – in dieser Zeit wurde die Möglichkeit, Pflanzen gentechnisch zu verändern, höchstens in kleinen Forscherkreisen besprochen. Deshalb erstaunt es nicht, dass der Kunsthistoriker dem Maler die Fähigkeit zuschreibt, alltägliche Blumen zu einer «Identität von Sein und Schein» zu entwirklichen. Dass die Blumen auf dem Bild von Lauterburg etwa doppelt so gross dargestellt werden, als sie «wirklich» sind und dass noch zum Entstehungszeitpunkt des Gemäldes (1940) und vor allem in der älteren Kunstgeschichte jeder einzelnen Blumen eine besondere Bedeutung zugeschrieben wurde, soll in der folgenden «Reise in 5 Bildern» aufgezeigt werden.
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